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Anwendung

Die Runde, die um drei Uhr nachts tatsächlich stattfindet

Nachtrunden auf Werksgeländen, Umspannwerken, Deponien und Rechenzentren. Die Plattform fährt die Route selbstständig, meldet Abweichungen an die Leitwarte und kehrt zur Ladestation zurück.

Ausgangslage

Schon der gescheiterte Versuch kostet

Metalldiebstahl an Infrastruktur hat ein besonderes Schadensbild: Auch der misslungene Versuch verursacht den vollen Folgeschaden. Wird ein Kabel durchtrennt und liegen gelassen, steht die Anlage trotzdem still, bis repariert ist. Bei der Deutschen Bahn summierten sich die Reparaturkosten in einem einzigen Jahr auf rund 15 Millionen Euro, mit knapp 11.000 verspäteten Zügen als Folge.

Daraus folgt etwas Unbequemes: Es nützt wenig, den Täter hinterher zu identifizieren. Wirksam ist nur, den Versuch früh genug zu bemerken — oder ihn gar nicht erst attraktiv zu machen.

Der zweite Grund ist nüchterner. Eine Nachtrunde über ein weitläufiges Gelände ist nicht schwierig, sondern lang und immer gleich. Sie ist damit genau die Art Aufgabe, die bei Personalknappheit als Erstes ausgedünnt wird — und deren Ausfall niemandem auffällt, bis etwas passiert.

Ablauf

Einmal anlernen, dann jede Nacht

  1. Route anlernen. Die Plattform wird einmal manuell über das Gelände gefahren. Kontrollpunkte, Blickrichtungen und Haltepositionen werden festgelegt.
  2. Selbstständig abfahren. Danach fährt sie die Runde im hinterlegten Takt — auch mehrfach pro Nacht, auch am Wochenende, auch bei Regen.
  3. Abweichungen melden. An die Leitwarte geht nicht der Normalfall, sondern was davon abweicht: eine Person im Bereich, ein offenes Tor, eine Wärmequelle, wo keine sein sollte.
  4. Zurück zur Station. Nach der Runde fährt die Plattform die Docking-Station an und ist für die nächste bereit.

Der Unterschied zur stationären Kamera liegt nicht in der Bildqualität, sondern in der Abdeckung: Ein fahrendes Gerät sieht hinter das Gebäude, in die Gasse zwischen den Trafos und auf die Rückseite des Zauns — Stellen, für die sonst je ein eigener Mast nötig wäre.

Erkennen

Worauf die Plattform achtet

Personen und Bewegung

Kamera mit Zoom und zuschaltbarer Beleuchtung, dazu Wärmebild — nachts das verlässlichere Signal, weil ein Mensch sich vom kalten Hintergrund abhebt, auch wenn er sich nicht bewegt.

Bausteine: RGB-Kamera · Thermalkamera

Zustände am Objekt

Offene Tore und Türen, beschädigte Zäune, umgestürzte Behälter, Leckagen, Füllstände. Vieles davon ist kein Sicherheits-, sondern ein Betriebsthema — und fällt auf derselben Runde ab.

Verwandt: Anlageninspektion

Veränderung gegenüber gestern

Weil jede Runde dieselben Punkte aus derselben Position aufnimmt, entsteht ein Vergleich. Eine Abweichung fällt auf, auch wenn niemand wusste, wonach er suchen soll.

Baustein: Leitstand
Rechtsrahmen

Was vor der Beschaffung geklärt sein muss

Eine patrouillierende Kamera ist rechtlich eine Videoüberwachungsanlage — mit allem, was daran hängt. Das ist kein Kleingedrucktes, sondern der Punkt, an dem solche Projekte scheitern, wenn er zu spät kommt.

  • Der Betriebsrat entscheidet mit. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG besteht ein Mitbestimmungsrecht bei Einführung und Ausgestaltung, sobald eine Einrichtung geeignet ist, Verhalten oder Leistung von Beschäftigten zu überwachen. Ohne Zustimmung geht keine Kamera in Betrieb.
  • Erforderlichkeit und Abwägung. Je tiefer der Eingriff in Persönlichkeitsrechte, desto schwerer wiegen sie. Bereiche, die überwiegend der privaten Lebensgestaltung dienen, sind ohnehin ausgenommen.
  • Speicherdauer. Nach Auffassung der Aufsichtsbehörden sind in der Regel höchstens 72 Stunden vertretbar. Wer länger aufbewahren will, braucht einen belastbaren Grund.
  • Fehler sind teuer. Betroffene können nach Art. 82 DSGVO Schadensersatz geltend machen, auch für immaterielle Schäden.

Praktisch heißt das: Route, Blickrichtungen, Auswertelogik und Aufbewahrung gehören in eine Betriebsvereinbarung, bevor das erste Gerät fährt. Wir liefern die technischen Angaben, die Sie dafür brauchen — die Vereinbarung selbst schließen Sie im Haus.

Grenzen

Was die Plattform nicht ist

  • Kein Wachmann. Sie stellt niemanden, sie hält niemanden auf und sie greift nicht ein. Sie meldet — und jemand muss auf diese Meldung reagieren können. Ohne diese Kette ist sie ein teurer Rekorder.
  • Kein Ersatz für Zaun und Schloss. Mechanische Sicherung bleibt die erste Ebene; die Patrouille ergänzt sie um Zeit und Fläche, ersetzt sie nicht.
  • Wetter und Untergrund begrenzen die Route. Schnee, tiefe Pfützen und lose Schüttung sind für ein Kettenfahrzeug beherrschbar, aber nicht folgenlos — die Route muss dazu passen.
  • Fehlalarme kosten Vertrauen. Eine Anlage, die dreimal pro Nacht wegen eines Fuchses meldet, wird nach zwei Wochen ignoriert. Die Auswertelogik ist wichtiger als die Kamera.
Konfiguration

Eine typische Patrouillenplattform

Die Docking-Station ist bei dieser Anwendung kein Zubehör: Ohne sie braucht jede Runde jemanden, der das Gerät holt und ansteckt — und damit genau das Personal, das eingespart werden sollte.

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