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Anwendung

Der Rundgang, der wirklich stattfindet

Wiederkehrende Anlageninspektion scheitert selten am Wissen, wie sie geht — sondern daran, dass jemand sie machen muss. Eine Plattform, die dieselbe Route jede Nacht fährt, liefert etwas, das ein Mensch nicht liefern kann: einen lückenlosen Verlauf.

Ausgangslage

Warum Rundgänge ausfallen

In jedem Instandhaltungsplan stehen Intervalle. In der Praxis konkurrieren sie mit Störungen, Revisionen und Urlaub — und verlieren. Ein Rundgang, der wöchentlich vorgesehen ist, findet dann monatlich statt, und was zwischen zwei Begehungen passiert, weiß niemand.

Dazu kommt der Fachkräftemangel. In der Energiewirtschaft wird der weltweite Fehlbestand an qualifiziertem Personal auf mehrere Zehntausend Stellen geschätzt. Wer diese Leute hat, setzt sie ungern für einen Kontrollgang ein, der zu 99 Prozent unauffällig endet — sondern für die Reparatur, die daraus folgt.

Und schließlich gibt es Bereiche, die man nicht gern betritt: enge Kanäle, heiße Anlagenteile, Flächen mit Gasgefahr, Nachtrunden auf weitläufigem Gelände. Dort ist jede Begehung eine Gefährdungsbeurteilung für sich.

Prüfumfang

Was die Plattform aufnimmt

Ein Inspektionsrundgang ist eine Folge definierter Messpunkte. Jeder davon lässt sich sensorisch abbilden — die Kunst liegt darin, sie reproduzierbar aus derselben Position und demselben Winkel aufzunehmen.

Thermografie

Überhitzte Lager, heißgelaufene Pumpen, defekte Klemmstellen in Schaltanlagen, Isolationsfehler an Leitungen. Temperaturtrends zeigen sich lange, bevor ein Bauteil ausfällt.

Baustein: Payload Thermalkamera

Gas- und Leckerkennung

Methan, Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid und brennbare Gase entlang der Route. Austretendes Gas wird dort erkannt, wo es entsteht — und nicht erst, wenn es die stationäre Sensorik erreicht.

Baustein: Payload Gasdetektor-Cluster

Sichtprüfung und Anzeigen

Analoge Manometer und Zähler ablesen, Füllstände prüfen, Ventilstellungen dokumentieren, Korrosion und Leckagespuren erkennen. Auch bei Dunkelheit, mit zuschaltbarer Beleuchtung.

Bausteine: Payload RGB-Kamera · Erweiterung Beleuchtung

Geometrie und Bestand

Laserscanning der Anlage als Nebenprodukt jedes Rundgangs. Daraus entsteht ein Bestandsmodell, das bei Umbauten, Revisionsplanung und Fremdfirmen-Einweisung sofort verfügbar ist.

Baustein: Payload LiDAR
Ablauf

Einmal anlernen, dann wiederholen

  1. Route anlernen. Die Plattform wird einmal manuell an alle relevanten Messpunkte gefahren. Position, Blickrichtung und Sensorik werden je Punkt festgelegt.
  2. Autonom abfahren. Danach fährt sie den Parcours im hinterlegten Intervall selbstständig ab — nachts, am Wochenende, so oft wie gewünscht.
  3. Daten übergeben. Messwerte und Bilder gehen verschlüsselt an die Leitwarte. Abweichungen von der Referenz werden gemeldet, nicht der unauffällige Normalfall.
  4. Selbstständig laden. Nach der Runde fährt die Plattform die Docking-Station an und ist für die nächste bereit.

Der entscheidende Punkt ist die Reproduzierbarkeit: Weil jeder Messpunkt aus derselben Position aufgenommen wird, sind zwei Aufnahmen im Abstand von Wochen direkt vergleichbar. Genau das gelingt bei einem Rundgang zu Fuß nie ganz.

Ergebnis

Ein Verlauf statt einer Momentaufnahme

Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der eingesparten Stunde. Er liegt darin, dass aus unregelmäßigen Einzelbeobachtungen ein konsistenter, hochfrequenter Datensatz wird. Ein Temperaturwert allein sagt wenig; derselbe Messpunkt über sechs Monate zeigt eine Drift, die einen Ausfall ankündigt.

Dieser Datensatz bleibt auch dann erhalten, wenn Personal wechselt. Erfahrungswissen — welche Pumpe im Sommer immer etwas wärmer läuft, welche Klemme schon zweimal auffällig war — steht sonst nur im Kopf desjenigen, der die Runde seit zwölf Jahren geht. Und geht mit ihm.

Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung heißt das: Wer nur Personalstunden gegenrechnet, greift zu kurz — und hat ohne vorherige Basismessung ohnehin keine belastbare Grundlage. Der Nutzen entsteht aus vermiedenen ungeplanten Stillständen.

Referenz

Behälterinspektion im Wettbewerb: IAEA Robotics Challenge

Die Aufgabenstellung, die dieser Seite zugrunde liegt, haben wir bereits unter Wettbewerbsbedingungen bearbeitet. Bei der Robotics Challenge, die die Internationale Atomenergie-Organisation gemeinsam mit CSIRO Data61 in Australien ausrichtet, war die Aufgabe für unbemannte Bodenfahrzeuge: ein Lager autonom befahren, die dort abgestellten Behälter identifizieren und zählen, ihre Kennzeichnung auslesen, die Strahlung messen und Position samt Messwert in eine Datenbank übernehmen. Der Parcours war ein Testaufbau mit nachgebildeten Behältern — keine reale Lageranlage.

Kettenplattform vor nachgebildeten Lagerbehältern im Testaufbau der IAEA Robotics Challenge
Der Testaufbau: nachgebildete Lagerbehälter, die autonom angefahren, identifiziert und gezählt werden mussten.
Plattform am nachgebildeten Lagerbehälter mit Kennzeichnungsschild und Strahlungssonde
Am Testbehälter: Kennzeichnung auslesen, Strahlung messen, Messwert der Position zuordnen.
Kettenplattform mit Sensorik-Aufbau und Messmast
Die eingesetzte Kettenplattform mit Kamera, Messmast und modularem Sensorik-Aufbau.

Das ist Anlageninspektion unter verschärften Bedingungen. Jeder Messpunkt muss zweifelsfrei einem Objekt zugeordnet, jedes Ergebnis nachvollziehbar dokumentiert werden — in einer Umgebung, in der sich niemand länger aufhält als nötig. Genau diese Kette aus anfahren, erkennen, messen, zuordnen, dokumentieren ist es, die eine Inspektionsrunde in einer Industrieanlage ausmacht. Der Unterschied liegt im Messwert, nicht im Verfahren.

Umgebungen

Wo sich das rechnet

  • Umspannwerke und Netzinfrastruktur — Thermografie an Schaltfeldern, Sichtprüfung, Kontrolle unbemannter Standorte
  • Kraftwerke und Energieerzeugung — Rundgänge in Maschinenhäusern, an Nebenanlagen und auf dem Außengelände
  • Wasser- und Abwasserwirtschaft — Pumpwerke, Kläranlagen, Kanäle und Bauwerke mit Gasgefahr
  • Industrie- und Chemieparks — weitläufige Gelände, Tankläger, Rohrbrücken, Verladebereiche
  • Stahl, Papier, Zement — heiße und staubige Bereiche mit hohem Verschleiß an rotierenden Teilen
  • Deponien, Biogas und Logistikzentren — große Flächen mit geringer Personaldichte
Explosionsgefährdete Bereiche: In Ex-Zonen ist eine Zulassung nach ATEX beziehungsweise IECEx zwingende Voraussetzung — weltweit erfüllen das bislang nur sehr wenige Inspektionsroboter. Sagen Sie uns, welche Zoneneinteilung für Ihre Anlage gilt; wir klären offen, welche Bereiche heute in Frage kommen und welche nicht.
Konfiguration

Eine typische Inspektionsplattform

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