Start · Anwendungen · Brandbekämpfung
Anwendung

Der erste Trupp, der nicht atmen muss

Bei Tunnel-, Tiefgaragen- und Industriebränden entscheidet oft nicht die Wassermenge über den Erfolg, sondern die Frage, wie nah jemand herankommt. Ein unbemanntes Fahrzeug fährt vor, während die Mannschaft draußen bleibt.

Ausgangslage

Wann ein Gerät statt eines Trupps hineingeht

Es gibt Lagen, in denen der Innenangriff nicht am Können scheitert, sondern an der Verantwortbarkeit: ein Tunnel mit unklarer Rauchausbreitung, eine Tiefgarage mit brennenden Fahrzeugen, eine Halle mit Gefahrstoffen oder Explosionsgefahr, ein Dachstuhl vor dem Einsturz. Der Einsatzleiter steht dann vor der Wahl, entweder Kräfte einem schwer kalkulierbaren Risiko auszusetzen oder von außen zuzusehen.

Ein ferngesteuertes Kettenfahrzeug öffnet einen dritten Weg. Es hält Hitze aus, die kein Schutzanzug länger erträgt, benötigt keine Atemluft und fällt nicht aus, wenn die Sicht auf null geht. Der Bediener steht dabei mehrere hundert Meter entfernt — bei vergleichbaren Geräten sind bis zu 500 Meter Abstand üblich.

Der zweite Grund ist nüchterner: Personal. Eine Brandwache, eine Riegelstellung oder ein Kühlauftrag über Stunden bindet Kräfte, die anderswo fehlen. Ein Fahrzeug, das Position hält und einen Strahl führt, bindet einen Bediener.

Aufgaben

Vier Dinge, die das Fahrzeug übernimmt

Löschen ist nur eine davon — und in der Praxis häufig nicht die wichtigste.

Löschangriff

Fernbedienbarer Monitor mit variabler Wurfweite und Strahlform. Das Fahrzeug hält Position am Brandherd, während die Mannschaft im Sicherheitsabstand bleibt — auch über Stunden.

Baustein: Payload Wasserwerfer

Entrauchung

Vor dem Löschen kommt oft das Freimachen der Sicht. Ein Belüftungsaufbau drückt Rauch aus Tunnel, Tiefgarage oder Keller und macht den Bereich für Kräfte erst begehbar. In dokumentierten Einsätzen war das der eigentliche Wert des Geräts.

Baustein: Payload Sonderaufbau

Erkundung unter Sicht null

Thermalkamera und Beleuchtung liefern ein Lagebild aus dem Inneren, bevor jemand hineingeht: Wo brennt es wirklich, wo sind Glutnester, trägt die Konstruktion noch, ist jemand im Raum.

Bausteine: Thermalkamera · Beleuchtung

Kühlen und Riegelstellung

Behälter kühlen, Nachbargebäude halten, eine Ausbreitung begrenzen — Aufgaben, die vor allem Ausdauer verlangen und bei denen ein Fahrzeug nicht abgelöst werden muss.

Bausteine: Wasserwerfer · Generator
Einsatzlagen

Wo sich der Aufwand rechnet

  • Tunnel und Unterführungen — lange Anfahrtswege im Rauch, Hitzestau, keine Fluchtwege seitlich
  • Tiefgaragen und Untergeschosse — Brandlast aus Fahrzeugen, zunehmend mit Traktionsbatterien, schlechte Belüftung
  • Industrie- und Lagerhallen — große Brandabschnitte, Gefahrstoffe, Einsturzgefahr durch Regalanlagen
  • Anlagen mit Explosionsgefahr — Tankläger, Gasanlagen, Silos: Bereiche, die man aus Prinzip nicht betritt
  • Vegetations- und Deponiebrände — unwegsames Gelände, lange Einsatzdauer, Rückzündungsgefahr
  • Gefahrgutlagen — in Kombination mit Messtechnik, siehe Gefahrstoff- und CBRNE-Lagen
Grenzen

Was ein solches Fahrzeug nicht leistet

Wer ein unbemanntes Löschfahrzeug beschafft, sollte die Einschränkungen vorher kennen — sie entscheiden mehr über den Einsatzwert als die Wurfweite.

  • Die Wasserversorgung ist die eigentliche Fessel. Ein leistungsfähiger Monitor braucht eine Zuleitung, und die begrenzt Bewegungsradius und Wendigkeit weit stärker als das Fahrwerk. Wer autark fahren will, muss beim Durchfluss zurückstecken.
  • Es ist ferngesteuert, nicht autonom. Ein Bediener führt das Fahrzeug unter Kamera-Sicht. Autonomie hilft bei Routine, nicht in einer Lage, die sich minuütlich ändert.
  • Es muss erst an die Einsatzstelle. Ab der mittleren Baugröße ist das eine Frage von Anhänger und Verladung, nicht von Tragegriffen — siehe Transport und Verladung.
  • Es ersetzt keine Menschenrettung. Das Gerät schafft Zeit und Sicht für den Trupp, der hineingeht — es geht nicht an seiner Stelle.

Für den Innenangriff gibt es dazu allerdings einen Ausweg: CAFS und Höchstdruck-Wassernebel erzielen die Kühlwirkung mit einem Bruchteil der Wassermenge. Beim Druckluftschaum besteht die Schlauchfüllung zu mehr als der Hälfte aus Luft — die Leitung ist damit leichter und lässt sich weiter mitziehen. Genau das macht eine kompakte Plattform im Gebäude erst brauchbar, während der große Monitor draußen an der Zuleitung bleibt.

Die Baugröße ist deshalb keine Nebenfrage: Eine kompakte Plattform kommt ins Treppenhaus und in die Tiefgarage, eine große trägt den Monitor mit hohem Durchfluss. Welche passt, hängt an Ihren Objekten.

Konfiguration

Eine typische Brandschutz-Plattform

  • Plattform: PALLAS.75 für den Innenangriff, in Treppenhäusern und Tiefgaragen — sinnvoll in Verbindung mit einem CAFS- oder Höchstdruck-Wassernebel-System, weil beide mit deutlich weniger Wasser auskommen. Größere Baugrößen tragen stationäre Monitore mit hohem Durchfluss und halten lange Standzeiten.
  • Payloads: Wasserwerfer, Thermalkamera, RGB-Kamera, bei Gefahrgut zusätzlich Gasdetektor-Cluster
  • Erweiterungen: Beleuchtung für Sicht im Rauch, Seilwinde für Bergung und Selbstbergung, Generator für lange Lagen
  • Systemkomponenten: Datenlink mit Relais-Knoten — im Tunnel und im Untergeschoss der kritische Punkt — sowie Transport und Verladung
Einsatzszenario besprechen Alle Anwendungen